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Seit den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, spätestens seit 1989, sind die Gegenstände der thematischen Idiosynkrasien der Schweizer Literatur obsolet geworden. Mit den Trümern kann man allenfalls noch spielen, zum eigenen Lustgewinn, wie Dino bellasi mit seinem Schattennachrichtendienst. Die Schweiz als Gefängnis? Nieder mit den Alpen! Freie Sicht aufs Mittelmeer! Die Verwendung des Begriffs „Schweizer Literatur“ mag zwar aus pragmatischen, diplomatischen, kurzum marktstrategischen Gründen gelegentlich noch sinnvoll sein; zur Bezeichnung einer artistischen Gemeinsamkeit und / oder Gemeinschaft aber ist der Begriff untauglich geworden. Auch die Traditionen, Denkmäler & Überväter zerbröseln. Ich für meinen Teil halte es noch am ehesten mit Dürrenmatt: ein Morgenessen ist nun mla kein Frühstück, denn was Latein ist, bestimme ich, sagt Romulus der Grosse. Wer der Welt etwas zu sagen hat, wird’s künftig ohnehin englisch oder gar in US-amerikanischem Anglo-Säxisch zu sagen haben. Die Zukunft des Deutschen, belehren uns die Linguisten, liegt in seiner dialektalen Randständigkeit. Ich bin ein deutschsprachiger Autor, in Basel aufgewachsen, seit dreissig Jahren in Bern zuhaus; wie einige von uns, so habe auch ich längere Zeit in Berlin gelebt; das Elsässische ist mir ebensowenig fremd wie das Sächsisch der Deutschen Demokratischen Republik oder die Artenvielfalt der bärnischen Konjunktivformen. Selbst in New York kann man durchs Haus bäken, als spiele man Gotthelf.

Meine Sprache gehört mir; und sie nährt sich, als wär’ sie tatsächlich ein Bauch - ein alles verdauender -, von allem,w as irgendwo deutsche gesprochen und / oder geschrieben werden kann; durchaus auch im Dialog mit den anderen, übrigens ebenso randständigen europäischen Kultursprachen. Meine unübersehbare Vorliebe für „quasi“ habe ich von den Italienern. Wollt ist also ein quasi, quasi Bismarcksches Bündnissystem gegen die Übersetzer der CIA schmieden, diese armen Schweine, die, jedermann weiss es, unsere Telekommunikationen nicht nur flächendeckend abhören und transkribieren, sondern zuguterletzt noch in die Sprache der Bushies übertragen müssen, so würde ich mich semantisch, lingual & semiotisch womöglich nicht nur - und auch noch - mit den bayern verbünden, von wegen mirsammir & Saupreiss japanischer du!, sondern überdies mit den letzten an der Smithy-Street übriggebliebenen Cockneys von Whitechapel: auch dort nämlich haben wir ja, als selbstverständlicher Bestandteil der Schweizer Literatur, ein ganzes Jahr lang gelebt; vom Jiddisch, fällt mir in diesem Zusammenhang grad ein, ganz zu schweigen. Und - meine Geheimwaffe, nota bene, wäre die lateinische Syntax: siehe oben.

Ränder alle Länder vereinigt euch! Oder: Von der Veruetzung der Welt - der fehlt mir hier nämlich, und schmerzlich.

 

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Christoph Geiser

Gege Wäggis zue - oder
Mirsammir - Sammirmir?

 

 

 

to kat.ch/bm