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Ich habe kaum Antworten, dafür viele Fragen, die ich jetzt stellen werde in der Hoffnung, die eine oder andere könne beantwortet werden.


Vergangenen Herbst erschien „Das Buch der 1000 Bücher“, ein „Harrenberg“, Marke Joachim Kaiser. Neben einer Vielzahl deutscher Autorinnen und Autoren finden sich sechs lebende Schweizer: Peter Bichsel, Silvio Blatter, Thomas Hürlimann, Adolf Muschg, Peter Stamm und Urs Widmer. Das wars. Wars das? Hat Joachim Kaiser ein Wahrnehmungsproblem? Haben die Deutschen ein Wahrnehmungsproblem? Haben die Schweizer ein Vermarktungsproblem?

Warum haben Schweizer Verlage, Diogenes einmal ausgenommen, seit Jahren Probleme, im deutschen Markt präsent zu sein? Täuscht der Eindruck oder ist es umgekehrt anders, liegen in Schweizer Buchhandlungen nicht vorzugsweise und selbstverständlich die Bücher deutscher Verlage?

Schreiben deutsche oder amerikanische Autoren besser als Schweizer? Anders? Gibt es Unterschiede?

Warum ist Diogenes so erfolgreich?

Erlebt die Belletristik das, was sich bei Zeitungsverlagen die letzten Jahre abspielte? Werden nur die ganz Grossen und die ganz Kleinen überleben? Welche Konsequenzen hat das für die Literatur?

Ist das bezüglich deutschsprachiger Schweizer Literatur sehr magere Frühjahr 2003 eine nicht aussagekräftige Momentaufnahme oder ein ernstzunehmendes Warnsignal?

Warum haben Verlage wie Lenos, Limmat oder Nagel & Kimche ihre Strategie geändert? Alle drei waren einst Vorzugsadressen für deutschsprachige Schweizer Literatur - sind sie es noch?

Ist es tatsächlich so, dass sich zweisprachige Ausgaben (frz./dt., räro./dt., it./dt., wasweissich/dt.) oder Übersetzungen, etwa aus dem Arabischen, leichter finanzieren lassen als deutschsprachige Schweizer Literatur?

Ist das gute Manuskript prioritär oder die Finanzierbarkeit eines Buches?

Ist es gut, wenn die Statuten von Kulturförderinstitutionen massgebend werden für das Erscheinen eines Buches?

Kann es sein, dass ausgerechnet Verlage wie bilger oder im Waldgut, die hauptsächlich auf Schweizer Literatur setzen, in den Schweizer Medien stiefmütterlich behandelt werden?

Zu was sind Rezensionen in Zeitungen noch gut, wenn sie offenbar auf den Verkauf der Bücher kaum mehr Einfluss haben?

Gibt es zu wenig gute Manuskripte aus Schweizer Hand?

Hat die deutsche Schweiz ein Nachwuchsproblem? Wenn sich im Altersegment zwischen 25 und 35 nur mit Mühe zehn Namen nennen lassen, ist das besorgniserregend? Habe ich falsch gezählt? Oder waren es auch früher nicht mehr?

Müssen junge Schweizer Autorinnen und Autoren politischer werden?

Ist die junge Generation in der Schweiz mit zu wenigen Problemen aufgewachsen? Hat sie nichts zu sagen?

Wie ist das genau mit dem so genannten Bedeutungsschwund der Literatur? Ist das Schreiben unattraktiv geworden?

Entspricht das, was ich wahrnehme, dem Potenzial der deutschsprachigen Schweiz?

Sind wir - oder auch nur ich - von der Vergangenheit verwöhnt? Hängen wir einem altem Image nach, das noch von der Zeit herrührt, als Schweizer Autoren die einzigen unverdächtigen Autoren in der deutschsprachigen Literatur waren? Ist der Exportartikel Schweizer Literatur nicht mehr so begehrt wie noch vor 30 Jahren? Wenn ja, was lässt sich dagegen tun?

 

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Markus Bundi

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