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Zu Beginn eine Frage: Denken auch Sie bei dem Begriff „Schweizer Literatur“ tatsächlich nur an Johanna Spyris Heidi oder ähnliche (un-)glücklich machende Geschichten über (un-)glückliche Mädchen mit (un-)glücklichen Geissen oder Kühen in (un-)glücklichmachenden Bergen? Bodenständig, verspielt, kritisch - die Schweizer Literatur bewegt sich zwischen Heimatliebe und Freiheitsdrang. Denn wo die Berge hoch sind, will man drüber schauen, und enge Täler sprengt man nur mit Phantasie. Die Enge zu sprengen, blieb ein Leitmotiv der Schweizer Literatur weit über Paul Nizons «Diskurs in der Enge» aus den siebziger Jahren hinaus und war bis vor kurzem weit verbreitet. In dem Land, wo ich wohne, heissen die Schriftsteller Schweizer Schriftsteller, und das Wort »Schriftsteller« ohne die Einengung "Schweizer« ist bei uns selten. Auch Siegfried Unseld hatte bis zuletzt eine besondere Vorliebe für die Schweizer Literatur und förderte unter anderen die jungen Autoren Gion Mathias Cavelty, Peter Weber und Lukas Bärfuss. Patriotismus als strenge Patriotismuskritik. Dies bestimmt entscheidend das künstlerisch verbindliche Schreiben in der Schweiz seit der Mitte des 20. Jahrhunderts. Diesen Vorgang muss man betrachten, um zu begreifen, wieso es richtig ist, von einer «Schweizer Literatur» zu sprechen, und wieso man dies doch nur unter Vorbehalt tun darf. Schweizer Autoren haben immer wichtige deutsche Literatur geschrieben, Autoren, wie Bachmann und Handke kommen aus Österreich, und Dürrenmatt und Frisch waren aus der Schweiz. Carl Spitteler war der eine Bedeutende, für welchen auch Deutschland noch ein Ohr hatte. Aber daneben? Lauter Nachfahren. Erben des Keller-Tones, Seldwyla-Bewohner, die ihre Spiele unter sich treiben: Heimatpoeten, welche der Alpenrose mehr zutrauten als den Blumen des Bösen. Und da war plötzlich die neue Generation: Jakob Schaffner, Robert Walser, Felix Moeschlin, Konrad Bänniger, Robert Faesi. Und Karl Stamm. Wenn man im Ausland Menschen befragt, wer oder was für sie typisch schweizerisch sei, wird neben Schokolade, Käse, Banken und Uhren oft auch das Mädchen aus den Bündner Bergen erwähnt. Aber selbstverständlich gab und gibt es neben Johanna Spyri noch eine Menge anderer bedeutender Schweizer Schriftsteller/-innen. Die bekanntesten Vertreter der Schweizer Literatur des 20. Jahrhunderts sind - wie oben erwähnt - Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt, der u.a. mit den Physikern und dem Versprechen (wurde unter dem Titel "The Pledge" im Jahr 2000 mit Jack Nicholson in der Hauptrolle gar in Hollywood verfilmt) weltweiten Ruhm erntete. Um Schweizer Literatur im Ausland bekannt zu machen, werden Lesungen finanziert und Bibliotheken mit Schweizer Literatur bestückt. Werner Schmidli zählt zu den wichtigen Schriftstellern der neueren Schweizer Literatur. Er hat Romane, Erzählungen, Gedichte, Hörspiele, Einakter und Fernsehspiele geschrieben. Suhrkamp weist viele bedeutende Schweizer Autoren aus: von Peter Bichsel über Adolf Muschg, Paul Nizon, Erica Pedretti, Jörg Steiner, Gertrud Leutenegger bis zu Urs Faes. Um der jungen Schweizer Literatur - in ihrer ganzen Bandbreite - eine Stimme zu geben, haben sich Ende 2001 fünf junge Schweizer Schriftsteller zur Gruppe 02 zusammengefunden. Das «Polentakind» mit dem Lächeln einer Sphinx Aglaja Veteranyi: Eine der schönsten Stimmen der neuen Schweizer Literatur ist vorzeitig verstummt.

Frage: Viele glauben, Schweizer Literatur sei zähflüssig wie Fondue. Verstehen Sie das? Antwort: Nein. Die Vorstellung, die Schweizer Literatur sei hinterwäldlerisch, ist völlig falsch. Schweizer Literatur war und ist international hoch stehend. Ein Handicap für die junge Autorengeneration ist allenfalls eine noch immer verbreitete Erwartungshaltung, die sich an Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt orientiert. Dies ist die ewig «junge Schweizer Literatur», die nicht erwachsen werden will. Aber gegen renommierte Schriftsteller wie Urs Widmer, Eveline Hasler oder Peter Stamm hat die jüngste Generation im Schweizer Literatur-Betrieb einen schweren Stand. Mehr noch: «Sie wird vernachlässigt», sind die beiden Jungautoren Dino Nodari (24) und Simon Christen (23) nach eigenen Erfahrung überzeugt.

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Aus solchen Gründen scheint der Informationsaustausch unter Schreibenden besonders wichtig. Sie können unsere Bücher gleich hier bestellen. SCHWEIZER LITERATUR: "Hast du was für Frankfurt?" Der Schweizer Schriftsteller Christoph Keller über seine Kollegen und die Gründe, warum er nicht zur Buchmesse geladen wurde. Dieser Artikel ist einzeln für 0,40 € abrufbar. Übersicht über die eidgenössische Kulturpolitik, Förderprogramme und Aktivitäten. Alle Bereiche von Film über die Landesbibliothek, Schweizer Literatur und die Museen werden abgedeckt. Jürg Halter hat wirklich keinen Grund, sich zu beschweren. Denn schon in jungen Jahren schickt ihn die Schweiz aus, die Schweizer Literatur im Ausland zu vertreten. Beim Poetry International Festival Rotterdam. Oder demnächst bei "Poetry Africa" in Südafrika. Rainer Moritz, Autor und Verlagsleiter von Hoffmann und Campe wünscht sich, die Schweizer Literatur möge etwas lauter werden. Aber: "Es ist vermutlich vergebliche Liebesmüh, eine Nation um geringere Diskretion zu bitten, um ein selbstbewussteres Auftreten im Show-Business der Gegenwartsliteratur. Aber an den beiden Abenden werden je zwei der Schweizer SchriftstellerInnen mitwirken: Lukas Bärfuss und Ruth Schweikert am Montag, Peter Weber und Peter Stamm am Dienstag. Die AutorInnen lesen zuerst selber aus ihren Werken, danach folgt eine Lesung der gleichen Texte auf Schwedisch. In der Werbung wird nach dem amerikanischen Grundsatz verfahren: "If you have nothing so say, sing it." Tatsächlich servierten die beiden nur einen ebenso faden wie unverdaulichen Brei, so dass man sich fragt, warum Manfred Züfle gesagt hat: Dies steht in der besten Tradition schweizerischer Literatur. Eine solche Zuordnung hat die schweizerische Literatur wirklich nicht verdient.

Ich danke Ihnen.

 

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Adi Blum

surf>sample>manipulate: eine Hommage ans Netzwerken. Bemerkungen zu einer Literatur, die SCHWEIZER LITERATUR genannt wird

 

 

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