
| Beim Solothurner Literaturpreis
handelt es sich um eine Auszeichnung, die "für hervorragende literarische Leistungen
an deutschsprachige Autorinnen und Autoren" vergeben wird. Er ist mit 20'000 Franken
dotiert und wird alljährlich verliehen. Die Preissumme wird von einer privaten Initiantengruppe gestiftet. In
dieser Form gibt es den Solothurner Literaturpreis seit 1994.
Die Fachjury besteht aktuell aus:
Bisher ausgezeichnet worden sind:
1994 Monika Maron - für ihr Werk, in dem sich mutige Haltung und literarische Qualität konsequent fortentwickelt haben, vom erfolgreichen Erstling "Flugasche" über das laborartige Experimentieren im Prosaband "Das Missverständnis", den verspielten Roman "Die Überläuferin" bis hin zu "Stille Zeile sechs", einem streng komponierten Roman diesmal, angesiedelt im DDR-Altag und mit genügend Zwischenraum für imaginäre Eskapaden. (Auszug aus der Laudatio)
1995 Wilhelm Genazino - für sein gesamtes Schaffen, das zehn Romane und zahlreiche Hörspiele umfasst. Seine Bücher zeichnen sich aus durch eine genaue, ungekünstelte Sprache und eine messerscharfe Wahrnehmung. In den Scherben der Alltagswirklichkeit spürt der Flaneur Genazino die geheimen Illusionen und verborgenen Enttäuschungen der Menschen auf und verleiht ihnen Worte von seltener Luzidität. Aufs Schönste hat der im letzten Herbst erschienene Roman Die Obdachlosigkeit der Fische seinen Ruf als melancholischer Beobachter und sensibler Dichter bestätigt. (Wortlaut Communiqué)1996 Klaus Merz - für sein dichterisches Werk, in dem das Unsichtbare sichtbar wird, indem der Dichter nochmals (wieder) und gegen (wider) die Konvention schaut und wahrnimmt.Ein subtiles, irritierendes Geflecht von Anspielungen, Andeutungen und Aussparungen lässt durchblicken, dass ihn die Wirklichkeit ebenso interessiert wie die Abirrung davon. Merz Gedichte und (Zwischen-)Geschichten spielen mit den verschiedensten Gefühlslagen: Sehnsucht, Bitterkeit, Wehmut, Angst, Glückshoffnung, Gelassenheit und verhelfen ihnen zu einer schlichten, nie geschwätzigen Sprache, der es gänzlich an literarischem Hochmut fehlt. Sie geben tiefere Einsicht in eine Befindlichkeit im Geviert von gesellschaftlicher Depression, Traumlosigkeit, Phantasieflügen und lächelnder Zuversicht. Ihre wortspielerischen Konfrontationen und überraschenden Widersprüche bergen Grundsätzliches: Widerstand - gegen das herrschende Bewusstsein. Nicht zuletzt das Schicksal seines Bruders hat ihn dagegen immunisiert. Klaus Merz verkörpert in dem Sinn weder einen Ein- noch einen Ausgeborenen. Er blickt vielmehr mit ganz eigener Perspektive hart über die Kante zwischen Innen und Aussen, Surrealität und Wirklichkeit, Ich und Welt. "Wie rasch ist man doch als Sensibler lädiert", heisst es in dem Bruder-"Report": "Die Risiken des Berufes halt." Dass er sie eingeht, dafür gebührt Klaus Merz unsere Wertschätzung. (Auszug aus einem Preisporträt von bm) 1997 Christoph Ransmayr - für ein Werk, das sich durch sprachliche Perfektion und erzählerische Präzision auszeichnet. In seiner Kunst des Erzählens verbinden sich apokalyptische Visionen mit wiedererweckter Mythologie. (Wortlaut Communiqué) Christoph Ransmayr ist ein Reisender. Nicht nur sein momentaner Aufenthaltsort Dublin weist darauf hin. Bevor er mit seinen Romanen auf sich aufmerksam gemacht hat, verfasste er Reisereportagen für die Zeitschriften "Geo", "Merian" und "Transatlantik". Eine treffliche Auswahl davon findet sich in dem neuen Band "Der Weg nach Surabaya" versammelt. Es ist unwegbares Gelände, das der Reisende Ransmayr darin erkundet: die Ränder der Welt im geographischen wie im übertragenen Sinn. Doch auch sein Prosawerk kreist um das Reisen. Reisend, äusserte er einmal, erfahre er eine "Erleichterung", die er schreibend zu retten versuche. Nicht das Unterwegssein an sich bereichert ihn dabei, sondern das Bewusstsein der eigenen Veränderung, die Erfahrung, wenn man "sich als Fremder unter Fremden bewegt, als sprachloser Narr, der nichts hat als seine Augen und Ohren". (...) Für seinen jüngsten, 1995 erschienenen Roman "Morbus Kitahara" hat sich Ransmayr danach sieben Jahre lang Zeit gelassen. Das Buch schildert eine Endzeitvision aus dem Herzen Europas. Als Vergeltung für einen Krieg deindustrialisieren die Sieger das eroberte Land und werfen die Besiegten in ein primitives agrarisches Leben zurück. Allein deshalb aber empfinden diese weder Schuld noch Reue. Sieben Jahre: "Ich kann nicht anders", meinte Ransmayr dazu, als so zu formulieren, "dass jeder Satz hält und schon der erste die ganze Geschichte tragen kann". Vollendet ist das Buch erst, wenn alle Varianten und Assoziationen zur einen "notwendigen Form" zusammengefügt sind. Darin manifestiert sich eine Präzision und Umsichtigkeit, die Ransmayr als Reisenden ausweist, der sich behutsam mit dem Fremden einlässt. Es ist ein eigensinniges Unterwegssein, das ihm zur Quelle des Schreibens wird. Das Individuum muss den Schrecken erfassen, kein Programm hilft ihm dabei. "Beim Erzählen geht es genau darum - das Unwiederholbare, Unverwechselbare am Einzelfall darzustellen und ihn vielleicht gerade dadurch zum Beispiel zu machen." (Auszug aus einem Preisporträt von bm.) 1998 Thomas Hürlimann - für sein so vielseitiges wie kompaktes dramatisches, episches und essayistisches Werke, das beeindruckt durch originäre Sprachkraft ebenso wie durch gedankliche Brillanz. Mit ausserordentlichem Gespür für brennende Probleme der Gegenwart und für zeitlose Themen der condition humaine stellt sich Hürlimann stilistisch souverän, eigenwillig, luzide, den existentiellen Fragen seiner Lebens-Geschichte und unseres Landes in einem literarisch unverwechselbaren Ton. (Wortlaut Communiqué) (Porträt)
1999 Birgit Vanderbeke - für ihren eigenständigen, virtuosen Erzählstil, der
ihr erlaubt, gestützt auf eigene Erfahrung, mit wacher Beobachtungsgabe und
selbstkritischer Ironie die gesellschaftliche Realität moderner Familien festzuhalten und
zu hinterfragen. Zurück zum Anfang
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