Pramoedya Ananta Toer, geboren 1925 in Ostjava, zählt zu den
prominentesten politisch Verfolgten Indonesiens. Amnesty International oder diverse
Schriftstellervereinigungen (unter anderem auch das Deutschweizer PEN-Zentrum) haben sich
in den letzten Jahrzehnten für ihn eingesetzt, mit bescheidenem Erfolg allerdings. Diese
Prominenz hat bisher aber bewirkt, dass von Pram meist als von einem Opfer politischer
Verfolgung geschrieben wurde, erstaunlich selten dagegen sein Werk selbst ins Zentrum des
Interesses rückte.
In Prams Biographie widerspiegelt sich die moderne Geschichte Indonesiens. Dreimal
wurde er verhaftet und für längere Zeit gefangengehalten: 1948 von den Holländern wegen
seines Widerstands gegen die Kolonialherrschaft, 1960 unter Sukarno, dessen Partei er
ergriffen hatte und schliesslich 1965 nach dem Putsch von General Suharto. Im Jahrzehnt
zwischen der indonesischen Unabhängigkeit (Dezember 1949) und seiner zweiten Verhaftung
schuf sich Pram das Fundament seines literarischen Ruhms. Seine Bücher erfreuten sich
grosser Beliebtheit, sie zählten sogar zum Pflichtstoff in den Schulen. Daneben arbeitete
er als kritischer Redakteur bei verschiedenen Zeitungen, als Dozent an der Universität in
Jakarta und als führendes Mitglied in der Kulturorganisation LEKRA, die den Kommunisten
nahestand.
Die Verhaftung während der Herrschaft Sukarnos, dessen Konzept einer "gelenkten
Demokratie" Pram nicht unkritisch teilte, war ein Vorspiel zu dem, was nach 1965
folgen sollte. In einem Putsch hatte der General Suharto die Macht an sich gerissen und
sogleich eine beispiellose Verfolgung aller innenpolitischen Feinde losgetreten. Vorab wer
sich kommunistischer Sympathien oder der Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei
Indonesiens, damals der drittgrössten KP, verdächtig machte, wurde inhaftiert und in der
Regel ohne Prozess exekutiert oder während Jahren gefangengehalten. Hunderttausende
fanden so in jenen Jahren den Tod. Wer wie Pram überlebte, dem wurden als ehemaligem
politischem Gefangenen die Bürgerrechte aberkannt. Nach 14jähriger Gefangenschaft, zehn
Jahre davon auf der Gefängnisinsel Buru, wurde Pram 1979 in den Stadtarrest entlassen.
Das 1965 konfiszierte Haus erhielt er nicht mehr zurück. Fortan durfte er zuhause wohnen,
er muss sich aber bis heute regelmässig bei der Polizei melden. Desweitern darf er keine
Vorträge halten und mittlerweile sind auch wieder seine Bücher strengstens verboten. So
lebt der grosse Schriftsteller Pramoedya Ananta Toer zurückgezogen in einem kleinen Haus
in Jakarta und findet ein kärgliches Auskommen aus dem Erlös einer
Fahrrad-Reperaturwerkstatt sowie aus Spenden und aus den Tantiemen, die ihm die
Übersetzung seiner Bücher einbringt.